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Google I/O: Project Treble soll Updates bei Android O vereinfachen

Gerfried Steube on May 15, 2017 - 6:50 pm in Software-Entwicklung

Google hat eine Lösung vorgestellt, wie Android-Updates schneller erscheinen können. Das ganze klappt ab Android O, erfordert allerdings weiterhin die Mitarbeit der Gerätehersteller.

Google hat Project Treble vorgestellt, eine neue Schnittstelle innerhalb des Android-System, die es den Geräteherstellern ermöglichen soll, Android-Updates schneller auszuliefern. Dazu wird ein vendor interface eingeführt, eine Schnittstelle zwischen den gerätespezifischen Treibern und dem herstellerunabhängigen Android-System. So sollen die Hersteller den Android-Oberbau einfach aktualisieren können, ohne den gerätespezifischen Teil anfassen zu müssen. Gerade die wichtigen monatlichen Sicherheits-Patches dürften den Herstellern damit etwas weniger Aufwand kosten.

Siehe dazu:

  • Android O ausprobiert: Das ist neu, das wird anders

Diese neue Schnittstelle kommt laut Googles Blog-Eintrag mit Android O, das im Herbst erwartet wird. Eine Vorabversion von Android O ist für einige Google-Geräte seit März erhältlich, dort ist Project Treble schon implementiert. Die Hersteller müssen sich ihre vendor implementation zertifizieren lassen, wozu Google ähnlich dem bisherigen Kompatibilitätstest CTS (compatibility test suite) eine VTS (vendor test suite) bereitstellen wird. Näheres dazu will Google im Sommer nennen, ein paar Details mögen schon zur Entwicklermesse Google I/O (ab Mittwoch, 17.5.) erscheinen.

Zusätzlich will Google die Komponenten- und Gerätehersteller dazu bewegen, ihre Änderungen an Android nicht proprietär zu belassen, sondern dem Open-Source-Teil von Android (AOSP) zur Verfügung zu stellen. So hätten Qualcomm und Sony bereits “dutzende Features und hunderte Bugfixes” zu Android O beigetragen.

Weiter Troubles trotz der Trebles

Bisher müssen die Gerätehersteller bei einem Andoid-Update den aktualisierten Betriebsssytem-Kern zusammen mit den gerätespezifischen Treibern und ihren eigenen Anpassungen etwa der Oberfläche als monolithisches Firmware-Update erstellen und dann von den Mobilfunkbetreibern zertifizieren lassen. Diesen Vorgang wollte Google schon häufiger beschleunigen, gelten doch die langsamen und für viele Geräte sogar ganz ausbleibenden Updates als schwerwiegender Nachteil von Android. Ein Schritt war beispielsweise, ehemals im Betriebssystem enthaltene Teile wie den Browser oder die Play-Dienste in Apps auszulagern, deren Updates sich die Geräte problemlos und auch automatisch herunterladen.

Alle diese Stufen wird Treble nicht verbessern. Vor allem bei Fehlern in den Treibern, also innerhalb der vendor implementation, ist der bisherige Weg weiter notwendig. Auch dürften alle Hersteller-Anpassungen an der Android-Oberfläche und an allen anderen Apps, die nicht auf die Hardware zugreifen, genauso aufwendig wie vorher sein. Und selbst falls ein Update ohne Änderungen an der vendor implementation auskommt, ist nicht klar, ob die Mobilfunkprovider es ohne erneute Zertifizierung durchwinken.

So lange etwa für Sicherheits-Updates ein Mitwirken der Geräte-Hersteller erforderlich ist und – anders als Microsoft bei Windows – Google solche Updates nicht selbst ausspielen kann, wird sich an der Update-Lage unter Android daher vermutlich wenig ändern. Wenn ein Hersteller beim Update nicht mitspielt – sei es aus technischen, personellen oder finanziellen Gründen –, bekommt das Gerät kein Update. Treble senkt lediglich den Aufwand für den update-willigen Hersteller.

Je nach Ausprägung des Vendor Interface mag Treble auch ein Schritt weg von Linux als Android-Unterbau sein – Richtung Project Fuchsia, Magenta oder Andromeda vielleicht. Wenn es eine hinreichend komplex und flexibel gestaltete Schnittstelle zur Hardware gibt, dürften zumindest reine Java-Apps auch mit komplett unterschiedlichen vendor implementation laufen, nur für die NDK-nutzenden Apps dürfte es schwierig werden.

(jow)

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