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AWS re:Invent: Amazon lockt mit etlichen neuen Cloud-Angeboten

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Gerfried Steube an Dezember 4, 2016 - 10:00 pm in Software-Entwicklung

Mit über 32.000 Teilnehmern auf seiner re:Invent Konferenz in Las Vegas bricht Amazon Web Services Rekorde – eine bislang nicht gekannte Flut an Neuigkeiten trägt ihren Teil dazu bei.

Die am Donnerstag auf der AWS re:Invent vorgestellten Neuigkeiten sind nicht die einzigen gewesen, die Andy Jassy, seit April 2016 offizieller CEO von Amazon Web Services, vorgestellt hatte.

Pay per Query – S3 Queries as a Service

Ebenfalls neu ist mit Athena ein Cloud-Dienst, mit dem sich SQL-Anfragen inklusive Joins an Daten stellen lassen, die im AWS-Objektstore S3 (Simple Storoage Service) gespeichert werden. Als Grundlage dienen insbesondere sogenannte Customs – Metadaten, die Objekten in S3 zugeordnet sind.

Eine der Schwächen von S3 war bislang, dass sich die Auswertung dieser Metadaten als sehr aufwendig gestaltet hatte. So erfordert die Ausführung einfacher List-Operationen bei größeren Datenmengen bereits, dass Kunden eigene Infrastruktur bereitstellen, um diese effizient durchzuführen.

Obwohl Amazon bereits Analytics-Werkzeuge zur Verfügung stellt (z. B. EMR oder Redshift), soll Athena kein Ersatz für diese darstellen, sondern andere Use Cases abdecken. Der Dienst eignet sich insbesondere für Ad-hoc-Queries, da er keine Infrastruktur von Seiten des Kunden voraussetzt. Stattdessen kümmert sich die Engine von Athena im Hintergrund um die Parallelisierung sowie die Skalierung der Anfragen auf entsprechende Cores. Zahlen muss der Kunde dabei pro Anfrage, die von Athena verarbeitet wird. Einen Preis hat Amazon noch nicht bekannt gegeben.

Amazon Lightsail

Mit Lightsail bietet Amazon außerdem ein Angebot für die vereinfachte Bereitstellung von Virtual Private Servers (VPS). Kunden können mit ein paar Klicks vollständig konfigurierte Instanzen mit entsprechenden Entwicklerwerkzeugen (z. B. mit LAMP-Stack) oder mit entsprechenden Applikationen (u. a. Drupal, Joomla, Radmine, GitHub) erstellen, ohne sich um die zugrundeliegende Infrastruktur Gedanken machen zu müssen.

Damit müssen sich Kunden nicht um AWS-spezifische Einstellungen wie DNS-Management und Security Groups kümmern. Dafür zahlt der Kunde einen Gesamtpreis, welcher für kleine Instanzen mit 5 US-Dollar pro Monat beginnt. Damit stellt Amazon ein Konkurrenzangebot zu anderen Anbietern wie Bluehost, Digital Ocean und Linode zur Verfügung und zielt darauf ab, Multi-cloud Application Deployment Tools wie Bitnami, überflüssig zu machen.

Die beiden iX-Korrespondenten Constantin und Jens Söldner kommentieren im Interview mit einem Analysten von EMA die Ankündigungen der AWS re:Invent.

Elastic GPU for EC2

Ein weiteres interessantes Feature ist die Möglichkeit, GPUs zu beliebigen EC2-Instanzen hinzuzufügen. Zuvor war dies nur mit speziell dafür konzipierten Instanztypen möglich. Die Verwendung von GPUs ist insbesondere für virtualisierte Desktops mit anspruchsvollen grafischen Applikationen von Vorteil, aber auch für speziellere Use Cases wie für HPC-Anwendungen (High Performance Computin).

Für die Verwendung dieser Elastic GPUs stellt Amazon eine OpenGL-Bibliothek bereit, die die GPUs automatisch erkennt und zur Verwendung verfügbar macht. Amazon plant, diese Bibliothek erst für Windows bereitzustellen, möchte im Folgeschritt aber auch Amazon Linux unterstützen. Des Weiteren wird über die Unterstützung anderer 3D-APIs wie DirectX und Vulkan nachgedacht.

Hybride Cloud-Unterstützun

AWS hat bereits vor einigen Wochen eine engere Kooperation mit VMware angekündigt. Als Teil der Keynote von Andy Jessy ist auch Pat Gelsinger, der CEO von VMware, aufgetreten – eine überraschende Wendung, nachdem Pat Gelsinger vor zwei Jahren noch verlauten ließ, dass Kunden, die auf AWS setzen, für VMware verloren sind. Ob VMware wirklich davon profitiert, mit AWS zusammenzuarbeiten, ist derzeit sehr umstritten.

Harald Weiss
Andy Jassy führte in seiner zweieinhalbstündigen Keynote wie erwartet eine große Menge neuer Features und Services vor. Vergrößern
Bild: Harald Weiss

Im Gespräch mit heise online auf der re:Invent-Konferenz hat Guido Appenzeller, CTSO von VMware, auf den hohen Nutzen von VMwares kommender Cross-Cloud hingewiesen, die technisch auf der nächsten Generation von VMware NSX, genannt NSX-T (Transformers), basieren wird.

Snowball Edge und Snowmobile

Bereits auf der letztjährigen re:Invent hat AWS den Dienst Snowball vorgestellt, der das Übertragen sehr großer Datenmengen aus den Rechenzentren der Kunden in die AWS-Cloud unterstützt. Anknüpfend daran wurde jetzt die Verfügbarkeit von Snowball Edge bekannt gegeben, das neben größerer Datenkapazität interne Computing-Kapazität bereitstellt (z. B. für Analytics-Zwecke). So lassen sich AWS-Lambda-Funktionen beim Hochladen der Daten ausführen, um die hochgeladenen Daten beispielsweise zu filtern oder zu bereinigen..

Für extrem große Datenmenge bietet AWS jetzt auch an, dass Amazon eigens dafür konzipierte „Trucks“ bereitstellt, die bis zu 100 Petabyte an Daten aufnehmen können und diese in die AWS-Cloud „transportieren“ – frei nach Andrew Tanenbaums Zitat: „Unterschätze niemals die Bandbreite eines Lastwagen voller Magnetbänder.“.

AWS Greengrass

Ebenfalls auf der letzten re:invent-Konferenz (sowie auf allen vergleichbaren Herstellermessen) war das Internet of Things eines der Top-Themen dank des Dienstes AWS IoT. Amazon verbreitert jetzt sein Dienstangebot und erlaubt mit AWS Greengrass die Ausführung von Lambda-Funktionen direkt auf den verbundenen Geräten. Damit kann Business-Logik, die normalerweise in der Cloud ausgeführt wird, auf den Geräten ausgelagert werden. Das ist insbesondere dann von Vorteil, wenn aufgrund geographischer Entfernungen größere Latenzzeiten beziehungsweise schlechte Bandbreiten zwischen den verbundenen Geräten und der AWS Cloud vorliegen. Das funktioniert allerdings nur mit neuen Smart-Geräten, welche die notwendige Rechenpower aufweisen. (ane)

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