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US-Drohnenkrieg: Sehr viel Personal für „unbemannte“ Drohnen

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Gerfried Steube an Dezember 28, 2016 - 8:20 am in Internet

Wird der Krieg der Zukunft nur noch mit Hilfe von Drohnen und Robotern geführt? Was für Politiker und Militärs nach einer ungefährlichen Art der Kriegsführung aussieht, birgt nach Ansicht des US-Whistleblowers Cian Westmoreland viele Risiken. Der frühere US-Drohnentechniker warnt inzwischen ebenso wie der ehemalige Drohnenpilot Brandon Bryant vor dem ungezügelten Einsatz der Technik.

Durch räumliche Entfernung und die getrennten Verantwortlichkeiten sinke die Schwelle zur Tötung, sagte Westmoreland am Dienstag auf dem 33. Chaos Communication Congress (33C3) in Hamburg. Die Technik schaffe eine falsches Vertrauen für das Verständnis der Situation am Boden, sagte Westmoreland. Das habe vielfach den Tod von Unschuldigen zur Folge.

Westmoreland war unter anderem in Afghanistan stationiert. In Kandahar half er beim Aufbau einer Relaisstation für die Drohnendaten. Dem Guardian zufolge erhielt er eine Auszeichnung, weil mit Hilfe der Station 2.400 Einsätze geflogen werden konnten. Mit 200 getöteten Feinden.

Algorithmen bestimmen Angriffsziele

Anders als bei einem Einsatz mit einem Kampfflugzeug seien bei einem Drohnenangriff eine ganze Reihe von Menschen an der Entscheidung über einen Raketenabschuss beteiligt. Dazu gehörten die Auswerter von Bildern und anderen Sensordaten, Übersetzer für abgehörte Telefonate, Geheimdienstkoordinatoren, Rechtsberater sowie die eigentlichen Drohnenpiloten. Dadurch werde die Verantwortung auf zahlreiche Beteiligte übertragen und die Hemmschwelle für einen Angriff gesenkt. Bei einer Protestaktion vor dem EU-Parlament in Brüssel hatte Westmoreland davon gesprochen, dass die angeblich „unbemannten“ Drohnen eigentlich „überbesetzt“ mit Personal seien.

In Hamburg kritisierte er zudem, dass die Auswahl der Ziele von Algorithmen bestimmt würden, die jedoch zu Fehlern führen könnten. Würde der Algorithmus beispielsweise nach Leuten mit bunten Hüten suchen, führe das an Tagen wie Karneval plötzlich zu vielen falschen Treffern.

Ramstein spielt wichtige Rolle

In dem „globalen Tötungsnetzwerk“, wie Westmoreland es nannte, spiele Deutschland eine wichtige Rolle. Die Einheit DGS-4 (Distributed Ground System 4) auf dem pfälzischen US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein sei „das Gehirn der Drohne“. Die Relaisstationen seien das Nervensystem. Die US-Regierung hatte vor wenigen Wochen überraschend eingeräumt, dass über Ramstein tatsächlich die Daten der Drohnen in die USA weitergeleitet werden.

Westmoreland sieht in der Datenweiterleitung einen Bruch des Völkerrechts und hat aus diesem Grund bereits eine Petition in den Bundestag eingebracht. Er sieht die Bundesregierung als Komplizin im US-Drohnenkrieg.

Killerroboter und Schwarmdrohnen

Seiner Ansicht nach ebnet die bislang aufgebaute Infrastruktur den Weg für die Kriegsführung der Zukunft. „In den nächsten fünf Jahren werden wir autonome Killerroboter haben“, sagte Westmoreland. Zudem warnte er vor Drohnenschwärmen. Für ihn werden solche Waffen jedoch nicht in Ländern wie Afghanistan gebraucht. Viel mehr gehe es um Kriege mit anderen Staaten, die ebenfalls über solche Techniken verfügten.

Ebenso wie bereits Bryant im Bundestag kritisierte Westmoreland die Mentalität und Arbeitsbedingungen der eigentlichen Drohnenpiloten. Diese würden den ganzen Tag Sender wie Fox News sehen und hätten daher wenig Mitgefühl für die Bevölkerung in den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens. Mit Hilfe von Akronymen werde die Kommunikation beschleunigt und der Tötungsprozess entmenschlicht. Letztlich laute die Botschaft der Drohnen an die Menschen in den betroffenen Länder einfach: „Fuck you, you deserve to die“.

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