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Support-Ende erreicht: Tschüss, Vista

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Moritz Rosenfeld on April 11, 2017 - 3:30 am in Security

Am heutigen 11. April endet der Support für Windows Vista. Eine Träne wird deswegen wohl kaum jemand vergießen, dabei steckten viele tolle Neuerungen darin.

Als vor drei Jahren der Support für Windows XP endete, war das Geschrei groß; Bis heute hat XP viele Fans. Anders bei Vista, dessen Support am heutigen 11. April endet: Sein Marktanteil wird längst nur noch unter “Sonstiges” geführt. Dabei war es trotz seines schlechten Rufs ein echter Meilenstein in Microsofts Windows-Geschichte: Viele der Eigenschaften von Windows 7, 8.1 und 10 hat Vista eingeführt.

So war Vista die erste Windows-Version, die von Anfang an für 64-Bit-Systeme geeignet und lieferbar war. Die “Benutzerkontensteuerung” (User Account Control, UAC) vereinfachte dramatisch das Arbeiten ohne Administratorrechte. Mit dem Defender wurde eine Software zum Schutz vor Schädlingen mitgeliefert, auch wenn sie damals noch nicht den Anspruch erhob, einen Virenscanner ersetzen zu können – sie wurde dementsprechend nur als “Antispyware” bezeichnet. Die bordeigene Firewall konnte auch ausgehenden Verkehr überwachen. Bitlocker verschlüsselte die komplette Windows-Partition, “Vorherige Versionen” sicherte Dateien beispielsweise auf externe Festplatten. Die Spracherkennung konnte nun Windows steuern. Der Setup-Prozess war komplett neu: Seit Vista wird nur noch ein Image auf die Platte gespielt und mit einem Bootloader versorgt. Das mit Vista eingeführte Startmenü mit dem Suchfeld schließlich hatte so viele Fans, dass das Fehlen dieses Menüs in Windows 8 und 8.1 seinerzeit zu einem Riesen-Theater führte. Auch der Explorer bot erstmals ein Suchfeld.

Viel Getöse

Dementsprechend selbstbewusst gab Microsoft den Startschuss für Vista mit dem üblichen Riesengetöse. Das Motto der offiziellen Feier am 31. Januar 2007 lautete “The ‘Wow’ starts now”. Vista sei eben “großartige Sache”, etwas Tolles und werde bestimmt ein Bombenerfolg.

Fehlermeldung: "Kalender funktioniert nicht mehr"
Wenn der Windows-Kalender nicht automatisch beim Hochfahren mitstartet, versuchte Vista daran zu erinnern, stürzt anfangs dabei jedoch ab.
Das Getöse sollte allerdings auch davon ablenken, dass die Entwicklung von Windows Vista (Codename “Longhorn”) von so manchen Rückschlägen und Peinlichkeiten begleitet war. Ständig musste der Veröffentlichungstermin nach hinten geschoben werden. Das lag auch daran, dass die massiven Sicherheitsprobleme von Windows XP immer größere Aufmerksamkeit erregten und es schließlich sogar in die Hauptnachrichtensendungen im Fernsehen schafften. Microsoft sah sich daher genötigt, erst Mal statt des eigentlich geplanten kostenpflichtigen XP-Nachfolgers das kostenlose Service Pack 2 für XP zu entwickeln. Später floppte dann das geplante Dateisystem namens WinFS, das den Umgang mit Daten revolutionieren sollte, aber nicht aus dem Prototypenstadium herauskam. Jim Allchin, als Windows-Chef für die Vista-Entwicklung verantwortlich, räumte nach der Veröffentlichung von Vista seinen Stuhl.

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Damals im analogen Farbfensehen: Schnurer und Münch im c’t-TV über die Baustelle Vista

Viele Probleme

Dass die Entwicklung viel Zeit kostete, lag an auch an Neuerungen, die man sich im Nachinein wohl hätte sparen können. Die transparenten Fensterrahmen (“Aero-Design”), Sideshow, Ready Boost, ReadyDrive, “Teamarbeit”, Card Space, das Synchronisationscenter, der Leistungsindex, die Sidebar, das “Begrüßungscenter”, Dateibewertungen, “Ultimate Extras” – all das wurde damals von Microsoft bejubelt und ist heute längst wieder vergessen. Was das alles war, beschrieb c’t in Ausgabe 22/06, S. 120 (kostenloser Download als PDF für Plus-Abonnenten).

Für den miesen Ruf von Vista waren aber keineswegs die oft eher nutzlosen Neuerungen verantwortlich. Denn Vista litt vor allem daran, unfertig ausgeliefert worden zu sein, was bei vielen Nutzern dazu führte, dass sie auf Vista nicht mit “Wow” reagierten, sondern mit “Wow, ist das schlecht”. Auch c’t hatte reichlich zu meckern: “Baustelle Vista” titelten wir in Ausgabe 9/07, weil zu viele Treiber fehlten, die Übersetzungen ins Deutsche teilweise haarsträubend waren (“Verbindliche Beschriftung, niedrige Verbindlichkeitsstufe”) und haufenweise Bugs in Vista steckten. Und dann gelang es Microsoft auch noch, mit dem Logo “Vista Capable” unangenehm aufzufallen.

Nicht für Netbooks

Auch die für damalige Verhältnisse immensen Hardware-Anforderungen stießen auf wenig Gegenliebe. Sie führten dazu, dass die kurz nach Vista neu eingeführte Geräteklasse der Netbooks gegen Microsofts Willen mit Windows XP ausgeliefert wurde – Vista lief zwar im Prinzip ebenfalls auf Netbooks, war dort aber unerträglich lahm. Dennoch setzten die Hardware-Anforderungen von Vista Maßstäbe, denn an den wichtigsten Werten hat sich bis heute nichts geändert: 20 GByte Plattenplatz und 2 GByte RAM sind auch bei Windows 10 noch die Minimalanforderungen für den Betrieb der 64-Bit-Fassung.

Mit den Service Packs 1 und 2 wurde zwar vieles besser und Vista so langsam nutzbar, aber im Grunde gelang es Microsoft erst 2009, Vista so zu reparieren, dass der Einsatz wirklich Spaß machte. Diese fertig reparierte Version hieß dann allerdings nicht mehr Vista, sondern Windows 7.

Ausblick

Das nächste Support-Ende einer Windows-Version wird wohl wieder mehr Menschen bewegen: Am 14. Januar 2020 endet der Support für Windows 7. Dass das dann mehr Auswirkungen haben wird als jetzt das Vista-Ende, ist auch Microsoft klar: Die erste Abschiedskampagne wurde bereits gestartet.

  • Weitere Informationen zum ThemaSupport finden Sie im c’t-Artikel “FAQ: Support für Windows”
  • Hinweise zum Umstieg von Vista auf eine neuere Windows-Version standen in der Meldung “Letzter Support-Monat für Windows Vista”

(axv)

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