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Privacy Phone: John McAfee stellt fragwürdiges Smartphone vor

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Moritz Rosenfeld on April 29, 2017 - 5:43 am in Security

Er war schon Präsidentschaftskandidat der Cyber-Partei, er war auf der Flucht durch Mittelamerika und wollte supersichere Passwortspeicher entwickeln: John McAfee ist ohne Frage eine schillernde Gestalt. Jetzt will der Gründer des von Intel ge- und verkauften Sicherheitsunternehmens McAfee ein neues Projekt wagen und sichere Smartphones bauen.

In einem Blogbeitrag beschreibt McAfee recht ausführlich, warum die Welt reif sei für sein neues Gerät. Dazu zitiert er einen Vanity-Fair-Artikel (das Magazin wird von McAfee fälschlicherweise als Variety bezeichnet) über den Hacker und Aktivisten Bill Marczak, der mit Kollegen die iOS-Malware Pegasus entdeckt hat – den vermutlich am besten entwickelten Trojaner für iOS. Marczak und die Journalisten bezeichnet er letztlich als Naivlinge, die so tun würden, als ob Malware für Smartphones etwas gänzlich Neues sei. Außerdem seien die wichtigsten Kontrollinstanzen aller Smartphones in der Software implementiert und damit inhärent unsicher und anfällig für Hackerangriffe.

Denn wenn das Smartphone per Software-Befehl heruntergefahren würde, könnte dieses Kommando durch Malware gekapert werden und das Smartphone nur den Bildschirm ausschalten und weiter als Wanze arbeiten. Das ist zwar technisch möglich, fraglich ist nur, wie groß die Gefahr einer gezielten Spionageattacke gegen normale Smartphone-Nutzer ist. Viel wahrscheinlicher ist, dass die meisten Smartphone-Besitzer sich Sorgen um Bankentrojaner oder Ransomware machen sollten.

Hardwareschalter im Ausverkauf

McAfee jedenfalls will das Problem unsicherer Smartphones mit einer ganzen Reihe an Hardwareschaltern lösen – mit einem für WLAN, einem für den Akku, für GPS, für Bluetooth, für die Kamera und für das Mikrofon. Die Rückseite des Smartphones wird damit wohl aussehen wie die Brustplatte eines ehemaligen sowjetischen Generals – voller Schalter statt Orden.

Zur Ausstattung des Gerätes soll außerdem eine Technologie gehören, die die Verbindung mit gefälschten Basisstationen, sogenannten IMSI-Catchern oder Stingrays (im Englischen) verhindern soll. Detailinformationen – gibt es nicht.

Die einzige Information über die Software des Smartphones betrifft einen “Web Search Optimizer”, der anonymes Suchen im Internet ermöglichen soll. Zum verwendeten Betriebssystem macht McAfee keinerlei Angaben. Wenn er tatsächlich in relevantem Umfang Marktanteile gewinnen will, müsste er sich aber an eine der großen Plattformen anhängen.

Und da liegt auch der größte Schwachpunkt der Ankündigung: Über die Sicherheit der Software verliert McAfee kein Wort – noch nicht einmal die Betriebssystembasis wird explizit erläutert. Und dabei ist, wie McAfee richtig feststellt, die Software das Hauptproblem bei der Sicherheit der Handys, wie nicht zuletzt der Hack von WLAN-Firmware durch Project Zero zeigt. Und weil es keine Hinweise darauf gibt, dass verschiedene Bereiche der Software, ähnlich wie zum Beispiel bei Qubes, per Hypervisor strikt voneinander getrennt sind, können die Hardwareschalter nur gegen relativ wenige Sicherheitsgefahren wirklich schützen.

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