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Ostkanada: Ein kaputtes Kabel stoppt Notruf, Banken, Flugzeuge

Heinrich Voigts on August 5, 2017 - 7:31 pm in Internet

Ein kleiner Unfall hat am Freitag ein großes Telecom-Netz in Ostkanada lahmgelegt. Die weitreichenden Auswirkungen sorgen vor Ort für Aufregung.

Mobilfunk- und Festnetze des kanadischen Netzbetreibers Bell Aliant gingen am Freitag in den frühen Morgenstunden (Ortszeit) offline. Bell Aliant ist ein wichtiger Infrastrukturbetreiber in den kanadischen Atlantikprovinzen Neuschottland, Neubraunschweig, Prinz-Eduard-Insel und Neufundland. Das Gesamtgebiet (ohne Labrador) ist etwa so groß wie Deutschland ohne die neuen Bundesländer. Der Netzausfall hatte weitreichende Folgen.

In der Region gingen alle Mobilfunksender Bell Aliants offline. Darüber werden nicht nur die Kunden der Konzernmutter Bell Canada, sondern auch die Kunden der Mitbewerber Telus, deren jeweiligen Zweitmarken, und, in manchen Regionen, Eastlinks versorgt. Zudem waren Bells Internetzugänge, Festnetzanschlüsse, Münzfernsprecher und Kabel-TV gestört. Als Folge waren auch viele WLAN-Hotspots nutzlos. Rogers’ Mobilfunknetz blieb als einziges unberührt.

Notruf gestört, Blaulichtdienste in Bedrängnis

Auf Neufundland funktionierte in manchen Gebieten der Notruf 911 nicht mehr. Die Notrufzentralen verbreiteten lokale Telefonnummern über soziale Netzwerke. In verschiedenen Teilen der Atlantikprovinzen, darunter der größten Stadt Halifax, war die interne Kommunikation der Blaulichtorganisationen gehemmt.

Dort wurden kurzfristig alle Feuerwehrleute in Dienst gestellt, um mehr Stationen besetzen zu können. Manche Stationen waren telefonisch noch erreichbar und sollten im Notfall Anweisungen an nahegelegene aber nicht telefonisch erreichbare Kollegen per Funk weitergeben. Krankenwagenfahrer wurden zu ihren Standorten beordert, um dort über WLAN-Tablets ihre Aufträge zu erfahren. Auch die Polizei klagte über Kommunikationsprobleme.

Banken, Fluglinien, Bezahlterminals Out of Order

Air Canada, die größte Fluggesellschaft des Landes, musste in den Atlantikprovinzen alle Flüge streichen. Auch nachdem das Bell-Aliant-Netz in den Nachmittagsstunden wieder online kam, mussten Passagiere vorerst manuell eingecheckt werden. Passagiere musste stundenlange Wartezeiten am Flughafen und teilweise Reiseverschiebungen um mehrere Tage hinnehmen.

Die zweitgrößte Fluglinie des Landes, Westjet, konnte ihren Betrieb zwar fortsetzen, wies aber Verspätungen auf. Weil ein wichtiges Callcenter Westjets in Neubraunschweig funktionslos war, mussten Anrufer aus aller Welt lange warten.

Viele Bezahlterminals und Bankautomaten waren außer Betrieb. Das schmälerte die Umsätze unzähliger Geschäfte. Zudem schlossen manche Bankfilialen, weil sie mangels Verbindung zum Zentralrechner sowieso keine Kunden bedienen konnten. Das wiederum machte es manchen Unternehmen unmöglich, ihren Arbeitern den am Freitag fälligen Wochenlohn auszuzahlen.

Ein Kabel, keine Redundanz

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Ursache für den großflächigen Ausfall war laut Bell Aliant die unabsichtliche Durchtrennung eines Kabels. Offensichtlich hat das Unternehmen nur eine zentrale Einrichtung, über die Mobilfunk, Festnetz, Datendienste und IP-TV abgewickelt werden. Es erstaunt, dass diese wichtige Zentrale nicht redundant ausgelegt ist.

Beunruhigend ist auch die enorme Abhängigkeit von Blaulichtorganisationen, Banken, Fluggesellschaften, Callcentern und anderen namhaften Firmen von einem einzigen Provider. Sie haben ebenfalls auf Redundanz verzichtet und damit am falschen Ende gespart.

Auch das soziale Leben war beeinträchtigt, sind doch viele Kanadier in ihrem Alltag auf Mobilfunk angewiesen. Selbst an den Busstationen hängen weder Fahrpläne noch Streckenpläne; die Fahrgäste sollen sich per Mobilfunk über mögliche Verbindungen und Abfahrtszeiten informieren. Auf den Straßen und Plätzen bildeten sich spontan Grüppchen, die lebhaft diskutierten, warum sie kein Netzsignal empfangen konnten. Mit der Zeit sprach sich aber herum, dass Bell Aliant den Betrieb eingestellt hatte. (ds)

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