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Live-Linux: Knoppix 8.0 bringt moderne Technik für neue Hardware

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Gerfried Steube an März 21, 2017 - 1:50 am in OSS

Seit über 15 Jahren erscheint etwa halbjährlich meine Zusammenstellung von Debian-GNU/Linux-Software unter dem Namen Knoppix (Knoppers Unix System). Das System gilt als Urversion der Livevarianten von Linux-Distributionen. Die Version 8.0 von Knoppix erscheint wie in den vergangenen Jahren zur Cebit und liegt der aktuellen Ausgabe des Linux-Magazins bei. Für Knoppix 8.0 sind Funktionen entstanden, die vor allem dem Einsatz auf moderner Hardware dienen sollen.


Stabile und bekannte Basis mit aktuellen Paketen

An der Grundidee ändert das aber nichts. So bootet Knoppix wie gewohnt von DVD, USB-Flashdisk oder übers Netzwerk und läuft sofort fertigkonfiguriert los – ohne auf einer Festplatte installiert sein zu müssen. Die Softwaresammlung eignet sich zum Arbeiten, Surfen im Internet, Spielen, Unterrichten, Lernen, Programmieren und Retten von Daten defekter Betriebssysteme.

Die Distribution mischt Debian Stable (Jessie) mit etlichen Paketen aus Testing und Unstable (Stretch, Sid) – in erster Linie neue Grafiktreiber und Desktopprogramme. Um möglichst viel aktuelle und neue Hardware zur Mitarbeit zu bewegen, verwende ich den Linux-Kernel 4.9 sowie X.org 7.7 (Core 1.19.1) und als Aufsatz zur sehr flott startenden Desktopoberfläche LXDE die komfortable 3D-Erweiterung Compiz 0.9.13.1.

Boot-Optionen als Notlösung

Normalerweise benötigt Knoppix wie beschrieben keinerlei Boot-Optionen, um die vorgefundene Hardware inklusive Grafikkarte zu erkennen und das System optimal zu konfigurieren. Die zunehmende Anzahl verschiedener Chipsätze macht es aber manchmal doch notwendig, die eine oder andere Funktion oder auch eine einzelne Komponente (diagnostisch und vorübergehend) abzuschalten, um zum regulären Desktop durchzustarten. Dazu können Nutzer hinter dem Bootprompt knoppix (für die 32-Bit-Variante) oder knoppix64 (für 64 Bit) die gewünschten Optionen eintippen.

  • Auf dem Bootprompt lassen sich besondere Parameter eintragen. (Bild: Knoppix)
  • Links das DVD-Bootimage nach alter Art, mittig das mit Knoppix 8.0 eingeführte Hybridverfahren, rechts die Variante, die flash-knoppix produziert. (Bild: Knoppix)
  • Neu in Knoppix ist die Möglichkeit, beim Schreiben auf ein Flashdevice eigene Änderungen in ein neues komprimiertes Image zu remastern. (Bild: Knoppix)
  • Die Install-Extras-Utility ermöglicht es, nicht standardmäßig installierte Softwarepakete komfortabel nachzuinstallieren. (Bild: Knoppix)
  • Wem der Browser des Tor-Projekts sicherer erscheint, als Chromium oder Firefox mit Tor zu verwenden, der installiert den Spezialbrowser nach. (Bild: Knoppix)

Auf dem Bootprompt lassen sich besondere Parameter eintragen. (Bild: Knoppix)

Häufige Boot-Optionen nennt die Boot-Hilfe, abrufbar mit [F2] oder [F3], andere sind in der Textdatei KNOPPIX/knoppix-cheatcodes.txt aufgelistet. Klemmt etwa der Desktop, wenn der 3D-Windowmanager Compiz starten soll, helfen oft die Boot-Optionen knoppix nocomposite oder knoppix no3d. Die eine schaltet die Composite-Erweiterung des Grafiksubsystems ab, die andere verhindert den Compiz-Start.

Umgekehrt kann der Benutzer für Grafikkarten, die eigentlich nicht schnell genug für Compiz sind und daher automatisch mit der flachen Windowmanager-Alternative Metacity starten, mit der Option knoppix 3d die 3D-Oberfläche mit Software-Rendering erzwingen.

Läuft auf Flashmemory viel flotter

Heute installieren die meisten Anwender Knoppix nach dem ersten Start auf einem USB-Stick (8 GByte oder größer), statt immer von DVD zu starten. Denn obwohl ich das ISO durch eine Sortlist fürs DVD-Lesen optimiert habe – das reduziert das sehr langsame Positionieren des Laser-Lesekopfs -, beschleunigt Flashmemory den Startvorgang und das Arbeiten mit Knoppix um mindestens den Faktor fünf, so dass Startzeiten vom Laden des Kernels bis zum kompletten Desktop inklusive Compiz unter 15 Sekunden möglich sind, einigermaßen moderne Computerhardware und einen schnellen USB-Stick oder SD-Kartenleser vorausgesetzt.

Von DVD gestartet lädt schon seit mehreren Knoppix-Versionen ein Desktop-Icon links oben dazu ein, das Installationsprogramm flash-knoppix zu starten. Das Werkzeug ersetzt die erste nicht schreibbare Partition auf dem Zieldatenträger durch eine schreibbare FAT32-Partition, die nebenbei auch gleich die für UEFI-Boot benötigten Dateien enthält und auf der sich die Boot-Konfiguration wie bisher auch leicht modifizieren lässt.

Das voll schreibbare System auf dem Ziel-USB-Stick enthält zudem die Option, die künftig selbst angelegten persönlichen Daten zu verschlüsseln. Version 8 von Knoppix lässt sich nun auch – auf SD-Karte installiert – auf Computern starten, die einen MMC-Kartenleser haben, der unter Linux nicht dem üblichen Namensschema für Festplatten wie /dev/sd* folgt, sondern sich als /dev/mmcblk0 anbietet. Die Partitionen darauf heißen entsprechend mmcblk0p1 und so weiter. Wer auf einer SD-Karte den Schreibschutzschalter aktiviert, dessen Knoppix ignoriert die schreibbare Overlay-Partition. Auf diese Weise lässt sich der Start von DVD simulieren, bei dem nur eine RAM-Disk für Veränderungen bereitsteht.

Neu in Version 8 ist auch die Möglichkeit, eigene Änderungen am System direkt in ein neues komprimiertes Image zu remastern. Dabei gilt zu beachten, dass auch private Daten wie Lesezeichen, gesetzte Cookies und Passwörter für Webseiten oder Netzzugänge, also prinzipiell alles, was der Benutzer gegenüber dem Original neu gespeichert und nicht wieder gelöscht hat, beim Remastern mit in das neue Image gelangen.

Wem das zu heikel ist, der sollte auf das Remaster-Feature verzichten, die schreibbare Overlay-Partition wird dann ignoriert und die neuen Daten werden nicht mitkopiert. Den Sprung auf Versionsnummer 8.0 rechtfertigt allerdings die aktuelle Hardwarelandschaft.

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