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Linux auf dem Switch: Freiheit kann ganz schön kompliziert sein!

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Gerfried Steube on April 23, 2017 - 5:09 am in OSS

Virtuelle Server können mittlerweile in Sekunden voll automatisiert verteilt werden, klassische Netzwerke halten bei dieser Entwicklung nicht mehr Schritt. Viel zu häufig sind es manuelle Anpassungen am Netzwerk, die das gesamte Deployment verzögern. Ein vielversprechender Lösungsansatz ist hierbei das sogenannte Open Networking. Die Trennung von Hard- und Software soll Netzwerken dazu verhelfen, an die Agilität und Flexibilität von virtualisierten Serverlandschaften anzuknüpfen. Realisiert werden soll dies insbesondere durch offene Netzwerkbetriebssysteme und einen stark erhöhten Automatisierungsgrad. Diese Flexibilität wird bisher aber nur selten tatsächlich erreicht.

Open Networking wird momentan stark von vielen Herstellern wie etwa Dell im Markt platziert und als Wunderwaffe gegen unflexible und kostenintensive klassische Netzwerk-Infrastrukturen dargestellt. Allerdings setzt bislang lediglich ein verschwindend geringer Teil der Unternehmen als Anwender auf das Prinzip des Open Networking – und dies aus gutem Grund. Denn ob der Einsatz von Open Networking wirklich sinnvoll ist, sollte wohlüberlegt sein. Insbesondere bei kleineren Unternehmen können sich die angepriesenen Vorteile wie die hohe Flexibilität oder die Kostenersparnis sehr schnell relativieren. Open Networking bietet zwar viele Möglichkeiten, die aber eben je nach Bedarf nicht alle sinnvoll sind.

Open Networking

Ein allgemeiner Trend in der IT ist die Abbildung klassischer Hardwarefunktionen durch Software. Immer wichtiger wird dabei das sogenannte Software Defined Networking. Mittlerweile wird der Begriff SDN etwas weiter gefasst. So werden auch Lösungen in den SDN-Kontext eingeordnet, die zwar die SDN-Primärziele verfolgen, diese jedoch mit anderen Mitteln erreichen, hierunter fällt auch Open Networking.

Das Prinzip ist schnell erklärt: Statt einer festen Einheit von proprietären Netzwerkbetriebssystem und Hardware haben die Nutzer bei Open Networking die Wahlmöglichkeit, mit welchem Betriebssystem sie ihre Netzwerkhardware betreiben möchten. Speziell für diesen Zweck entwickelte Betriebssysteme werden auch als Network Operating System bezeichnet. Vertreter sind beispielsweise Cumulus Linux, Openswitch, PicOS und Switchlight. Den Autoren dieses Artikels standen für Tests vier Dell-S4810-ON-Switches mit Cumulus Linux 2.5.12 zur Verfügung.

Der Open-Networking-Ansatz ermöglicht also theoretisch, Hardware eines beliebigen Herstellers mit einem Betriebssystem eines anderen Herstellers zu betreiben. Dies macht Unternehmen weniger abhängig von einzelnen Herstellern. Denn ein Wechsel des Hardwareproduzenten bedingt nicht mehr automatisch auch den Wechsel des Netzwerkbetriebssystems – und umgekehrt. Je nach konkretem Betriebssystem ist ein Switch somit effektiv ein Linux-Server mit sehr vielen Netzwerkschnittstellen und lässt sich dementsprechend auch so verwalten. Auch die Unterstützung klassischer Paketverwaltungen der Linux-Distributionen ist zumeist vorhanden. Der offene Ansatz eröffnet auch neue Möglichkeiten im Hinblick auf Automatisierung sowie Virtualisierung und führt zu flexibleren und agileren Netzwerken. Somit lässt sich Open Networking eben auch als SDN begreifen.

Die Open Networking Foundation hat, trotz der Namensgleichheit, mit dem hier besprochenen Open-Networking-Ansatz übrigens nichts zu tun. Sie treibt die Verbreitung von SDN im Allgemeinen voran und hat beispielsweise den Openflow-Standard definiert.

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