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Limux: Die tragische Geschichte eines Leuchtturm-Projekts

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Gerfried Steube an Februar 23, 2017 - 12:20 pm in OSS

Ruhig war es nie um Limux. Von der Open-Source-Gemeinde bejubelt, kam es zwischen Open-Source-Befürwortern und -Gegnern und politischen Kontrahenten im Münchner Rathaus schnell zu Streitigkeiten. Das mit dem Beinamen IT-Evolution betitelte Limux-Projekt offenbarte die Schwächen von Open-Source-Software. Mangelnde Interoperabilität und unzufriedene Mitarbeiter, die sich mit einem völlig neuen Betriebssystem und fehlenden Fachanwendungen konfrontiert sahen, machten immer wieder Schlagzeilen. Selbst nach dem erfolgreichen Abschluss rissen die Querschläge seiner Gegner nicht ab – und von Anfang an lieferte das Projekt bei allem Erfolg auch selbst immer wieder Gründe für negative Schlagzeilen.

Es begann verheißungsvoll – zumindest aus Sicht der Open-Source-Gemeinde. Am 16. Juli 2004 beschloss die Vollversammlung des Münchner Stadtrates die stadtweite Migration seiner Arbeitsplatz-PCs auf Open-Source-Software; damals hatte die SPD unter Oberbürgermeister Christian Ude zusammen mit den Grünen dort die Mehrheit. Eine weltweit bekannte Großstadt setzte auf Linux und freie Software statt auf kommerzielle Produkte von Microsoft – David gegen Goliath.

Linux ist reif für die Verwaltung

Zur Jahrtausendwende hatte sich Open-Source-Software soweit entwickelt, dass es als ernsthafte Alternative zum allgegenwärtigen Windows und Office von Microsoft betrachtet werden konnte. Zunächst sollte die Bürosoftware Openoffice auf den damals rund 14.000 Rechnern der Stadtverwaltung installiert werden. Dazu sollte später ein speziell angepasstes Debian samt KDE-Desktop das inzwischen veraltete und nicht mehr von Microsoft unterstützte Windows NT 4 ersetzen. Bis 2006 sollte die Migration abgeschlossen sein. Ein durchaus ehrgeiziger Plan.

Vorausgegangen war eine sogenannte Client-Studie der Firma Unilog, die zum Ende des Supports für Windows NT 4 untersuchen sollte, mit welchen Alternativen Kosten eingespart werden könnten. Der wirtschaftliche Aspekt stand zwar im Vordergrund, es gab aber auch eine ideologische Komponente: Überlegungen zur Herstellerunabhängigkeit und ein durch den Einsatz von Open-Source-Software möglicherweise gesteigerter Wettbewerb im Softwaremarkt, die in dieser ersten Studie ebenfalls untersucht wurden. Microsoft war seit dem Jahr 2000 immer wieder kartellrechtlichen Gerichtsverfahren ausgesetzt – Monopolbildung wurde dem Unternehmen sowohl in den USA als auch in Europa vorgeworfen.

Ballmer spricht bei Ude vor

Aufgeschreckt durch die Diskussion über eine mögliche Abkehr von Microsofts Produkten in München, reiste der damalige Microsoft-Chef Steve Ballmer publikumswirksam aus seinem Skiurlaub in der Schweiz in die bayerische Landeshauptstadt, um in einem Gespräch mit Bürgermeister Ude unter anderem auf den eben geschlossenen „Konzernvertrag“ mit dem Bundesministerium des Innern hinzuweisen, der Rabatte zu Windows-Produkten im öffentlichen Sektor versprach.

Zusätzlich bot Microsoft seine Hilfe bei einem sogenannten sanften Upgrade auf Windows XP an, etwa durch den Einsatz seiner Virtualisierungssoftware Virtual PC, in der veraltete Fachsoftware lauffähig bleiben sollte. Einen direkten Produktrabatt für München bot Ballmer jedoch nicht an. Ude soll ebenfalls hart geblieben sein, mehrfach soll er gefragt haben, was Microsoft noch anbieten könne.

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