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Kommentar zu GNOME: 20 Jahre Quälerei auf hohem Niveau

Moritz Rosenfeld on August 22, 2017 - 7:42 am in OSS

Der GNOME-Desktop wird 20. Fabian Scherschel – selbst bekennender GNOME-Nutzer – ist der Meinung, dass das Beste, was Linux in puncto Desktop zu bieten hat, noch lange nicht gut genug ist.

Am 15. August 1997 – also auf den Tag genau vor 20 Jahren – begannen Miguel de Icaza und Federico Mena mit der Entwicklung eines neuen Desktops für Linux-Betriebssysteme namens GNOME. Zwanzig Jahre und drei Versionen später ist das Projekt der Vorreiter bei den Linux-Desktops und für sehr viele Nutzer der brauchbarste Weg, mit Linux zu arbeiten. Trotzdem nervt GNOME seit Jahren, vor allem deshalb, weil die Entwickler auf der Sucher nach Schlichtheit immer wieder über Jahre mühsam Erlerntes über Bord werfen.

War das erste GNOME in seinen Anfängen eher karg, so wurde mit dem darauf folgenden GNOME 2 für viele die bis heute optimale Desktop-Umgebung erschaffen. Stand in den Anfängen des Projektes vor allem die Free-Software-Lizenz im Vordergrund, wurde es später immer wichtiger, dem Nutzer eine angenehm zu benutzende Desktop-Umgebung anzubieten, die er sich nach den eigenen Vorstellungen zurecht schieben konnte. Die Entwickler ließen Anpassungen zwar zu, legten aber immer Wert darauf, dass die Grundkonfiguration für die größtmögliche Anzahl an Anwendern benutzbar blieb. Soweit war noch alles in Butter.

Verpasste Chance

Im April 2011 erschien mit GNOME 3 dann die Version, die einen sehr großen Teil der Nutzergemeinde verärgern sollte. Die Entwickler verpassten es, den Desktop grafisch anzupassen und als modernen Konkurrenten zu dem etwas über einem Jahr später erscheinenden Windows 8 mit seinem verhassten Kachel-Look ins Rennen zu schicken. Stattdessen nahmen die GNOME-Entwickler den stilistischen Fehlgriff der Microsofties voraus und veröffentlichten einen grafisch völlig generalüberholten, auf Touch optimierten Desktop, der Linux-Fans zur Weißglut treiben sollte.

Kernel-König Linus Torvalds war der berühmteste, aber bei weitem nicht der letzte Nutzer, der laut zeternd zu einem der zahlreichen Konkurrenz-Desktops wechselte. GNOME hätte haufenweise Kachel-Flüchtlinge unter den Windows-Nutzern abgreifen können, hätten die Entwickler es nicht geschafft, einen mindestens genauso schlimmen Desktop zusammen zu zimmern.

Apple-Puristik statt Benutzbarkeit

Noch heute fragt man sich, für wen die noch verbliebenen Touch-Elemente in GNOME 3 eingebaut wurden. Linux-Nutzer waren nun mal noch nie die hippen Vorreiter bei Convertables oder Desktop-Touchscreens. Mittlerweile ist GNOME 3 ein ziemlich guter Desktop geworden – der Meinung sind schließlich nun auch die ewigen Spalter bei Canonical – aber man fragt sich schon, warum es vier oder fünf Jahre gedauert hat, alle Funktionen wieder einzubauen, von denen wir schon in GNOME-2-Zeiten wussten, dass sie unverzichtbar sind. Und immer noch weigern sich die Entwickler in jahrealten Bugreports standhaft, Änderungen an Funktionen umzusetzen, dessen Nutzen ihre Anwender klar belegt haben und die man in wenigen Stunden Arbeit reinpatchen und testen könnte.

Mein persönlicher Lieblings-Bug in dieser Hinsicht ist die Tatsache, dass GNOME beim Sperren des Bildschirms diesen immer sofort abschaltet. Und das, obwohl es gute Gründe gibt, warum man das vielleicht ändern will und eine versteckte Schaltfläche in irgendwelchen obskuren Bildschirmeinstellungen wohl kaum jemandem weh tun würde. Devise: Ist uns halt egal, wie lange dein Monitor braucht, um aufzuwachen; Stromsparen ist immer wichtiger. Genau wegen dieser Einstellung der Entwickler, die Apple-Puristik vor wirkliche Befindlichkeiten ihrer Nutzer stellen, ist GNOME zwar das Beste, was Linux in puncto Desktop-Umgebungen zu bieten hat, aber halt auch jeden Tag immer wieder Quälerei. (fab)

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