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Jolla: Sailfish OS in Russland als Referenzmodell für andere Länder

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Gerfried Steube an Dezember 3, 2016 - 3:59 pm in Internet

Auf der Suche nach einer unabhängigen Alternative zu Android und iOS ist der russische Staat bei Sailfish OS gelandet. Das auf Meego basierende Betriebssystem des finnischen Herstellers Jolla ist künftig offiziell das einzige erlaubte OS für Regierungsstellen und von der Regierung kontrollierte Organisationen.


Pleite konnte abgewendet werden

Damit hat Jolla nach seiner Beinahe-Pleite vor einem Jahr offenbar endgültig die Kehrtwende geschafft, wie uns der CEO Sami Pienimäki im Gespräch am Rande des Slush 2016 erklärt. „Vor einem Jahr waren wir faktisch pleite, jetzt sind wir ein normal operierendes Unternehmen“, sagt Pienimäki. Mit 50 Mitarbeitern hat Jolla aber nur noch 60 Prozent der Mitarbeiteranzahl, die das Unternehmen zu Hochzeiten hatte.

Jolla hatte nach der umgangenen Firmenpleite seine Ausrichtung vom Consumer-Markt auf den Businesssektor verlagert. Ziel ist seitdem nicht mehr, eigene Hardware mit Sailfish OS als Betriebssystem herauszubringen, sondern das OS zu vermarkten. Neben Lizenzierungen an Gerätehersteller wie Intex, das mit dem Aqua Fish ein Sailfish-OS-Smartphone in Indien verkauft, sind insbesondere auch Staaten interessante Kunden für Jolla.

Sailfish OS wird an russisches Unternehmen lizenziert

In Russland profitiert Jolla von einem Gesetz, das es Regierungsstellen und von der Regierung gesteuerten Unternehmen vorschreibt, bei möglichen russischen Software-Alternativen diese ausländischen Systemen vorzuziehen. Jolla ist immer noch ein finnisches Unternehmen, eine Sailfish-OS-Lizenz wurde allerdings an das russische Software-Unternehmen Open Mobile Platform verkauft.

Dort wird die russische Sailfish-OS-Version dann programmiert. Der Kern inklusive Bootsecure und VPN-Unterstützung kommt dabei von Jolla, Open Mobile Platform ergänzt das System noch um Erweiterungen. Inwieweit das Ergebnis dann ein russisches Betriebssystem ist, ist sicherlich diskutabel, der russischen Regierung reicht das aber offenbar. Die Entwicklung hat Pienimäki zufolge insgesamt anderthalb Jahre beansprucht.

Weitere Staaten sollen nach Russland folgen

Für Pienimäki ist der Geschäftsabschluss in Russland ein wichtiger Schritt: Der Jolla-Chef hofft, dass Russland für das Unternehmen künftig als Blaupause für andere Staaten gilt. „Mit der Umsetzung in Russland haben wir ein Referenzmodell für andere Länder“, erklärt Pienimäki.

Andere Staaten sollen anhand von Russland sehen können, dass es möglich ist, Android und iOS ersetzen zu können. Um den Kern der Software müssen sich die Kunden nicht kümmern, lediglich um die Erweiterungen. Aktuell soll Jolla mit mehreren Staaten in Gesprächen über eine ähnliche Umsetzung wie in Russland sein, unter anderem mit China und Südafrika.

Sailfish OS auf einer Smartwatch

Trotz dieser Ausrichtung auf den Geschäftskundenbereich ist der Konsumentenmarkt für Jolla noch nicht komplett abgehakt, wie die Lizenzierung an Intex zeigt. Zudem experimentiert Jolla auch mit anderen Plattformen: So trug Pienimäki während unseres Gesprächs eine Smartwatch, auf der Sailfish OS läuft. „Das ist aber kein offizielles Produkt, sondern mehr eine Machbarkeitsstudie“, erklärt Pienimäki.

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