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Jigsaw: Red Hat und IBM verzögern Modulsystem von Java 9

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Heinrich Voigts on May 9, 2017 - 1:48 am in Internet

Bereits Mitte April hatte der Red-Hat-Angestellte Scott Stark in einem langen technischen Blogpost starke Bedenken hinsichtlich der JSR-376 Java Platform Module System Specification geäußert – dem Modulsystem mit dem Name Jigsaw, das eine der größten Neuerungen für das kommende Java 9 werden soll. Dieser Kritik hat sich nun auch IBM angeschlossen, womit zwei der wohl wichtigsten Community-Mitglieder die eigentlich schon für diesen Sommer geplante Veröffentlichung von Java 9 gefährden.


Vermeintlich ungetestete Neuerungen

Im Rahmen der JSR-376 Expert Group (EG) konnte Red Hat bereits einige Erfahrungen mit Jigsaw sammeln, woraufhin der Entwickler Stark für Red Hat dann vor allem die Praxisumsetzung des Modulsystems kritisierte. Die Änderungen von Jigsaw beträfen Millionen von Java-Nutzern und -Entwicklern, so Stark. Die Modularisierung an sich erfolge dabei zwar nach einem erprobten Ansatz, sei aber in der Praxis weitgehend ungetestet. Vielmehr würde Jigsaw einigen der bisherigen und bereits jahrelang umgesetzten Best Practices beim Ausliefern modularer Applikationen widersprechen.

Der Blogpost zählt dann die zahlreichen Kritikpunkte an Jigsaw im Detail auf, von denen einige allerdings zum Veröffentlichungszeitpunkt bereits überholt waren. Er erklärt aber auch, dass sich viele davon recht schnell lösen ließen. Einige bräuchten etwas mehr Zeit, würden aber zu einer wesentlich besseren User Experience mit der Plattform führen. Die Verzögerung sei verkraftbar, denn die Alternative wäre eine Lösung, die nicht alle Use Cases abdecke.

IBM und Red Hat geht alles zu schnell

Tim Ellison von IBM schloss sich auf der Mailingliste den Bedenken von Red Hat und anderen Community-Mitgliedern nun grundsätzlich an. Zusätzlich zu den von Red Hat aufgeführten Argumenten kritisiert Ellison für IBM aber auch den Oracle-Chefarchitekt für Java, Mark Reinhold, der den Public-Review-Prozess zu Jigsaw möglichst schnell beginnen möchte. Reinhold von Java-Sponsor Oracle argumentierte, dass die Bedenken einiger der Experten keine mit der Spezifikation vereinbarten Ziele betreffen würden.

Ellison empfiehlt nun hingegen, dass die Beteiligten der Expert Group zunächst ein gemeinsames Verständnis für geäußerte Probleme finden sollten, bevor sie die Spezifikation in den Prozess des Public Review geben. Konkret zählt der IBM-Angestellte auch noch einige technische Details auf, die es vor dieser Phase noch zu klären gelte.

Am 5. Mai meldete sich David M. Lloyd von Red Hat ebenfalls nochmal auf der Liste und äußerte die eigenen Bedenken zum Entwurf. Er appellierte an Mark Reinhold, die Bedenken nicht als Selbstzweck zu betrachten. Man sei nicht darauf aus, Perfektion zu erreichen und sei bereits viele Kompromisse eingegangen. Red Hat suche nach Lösungen vor allem für drei kritische Probleme. Dazu gehört, dass Java 9 Zyklen unter den Modulen auch zur Laufzeit ermöglicht, dass die Entwickler den Module-Primitives-Patch neu evaluieren und dass Java 9 eine Package Namespace Isolation unter den Modul-Path-Modulen erlaubt.

Oracle in Bedrängnis

In den vergangenen Jahren musste Oracle die geplante Veröffentlichung von Java 9 vor allem wegen verschiedener Probleme mit dem Projekt Jigsaw mehrfach verschieben. Zuletzt war geplant, dass die neue Version der Programmiersprache am 27. Juli dieses Jahres erscheint.

Angesichts der aktuellen Kritik von Red Hat, IBM und mehreren anderen Beteiligten könnte es allerdings auch sein, dass der Veröffentlichungstermin von Java 9 erneut verschoben werden muss. Dem Magazin Infoworld sagte dazu Georges Saab, Oracle Vice President Java Platform Development: “JDK 9 (Java Development Kit) könnte dadurch aufgehalten werden”. Dass dies geschieht, ist zwar noch nicht endgültig klar, erscheint aber wahrscheinlich.

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