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Glasfaserausbau: Telekom schafft Vorstandsjob für Kooperationen

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Heinrich Voigts on December 11, 2016 - 5:50 am in Internet

Die Zeichen stehen auf Kooperation: Branchenveteran Johannes Pruchnow soll für die Telekom die Zusammenarbeit mit anderen Netzbetreibern beim Glasfaserausbau managen. Der neue Job ist direkt unterm Vorstand angesiedelt.

Die Telekom macht offenbar ernst bei der Kooperation mit Wettbewerbern: Branchenveteran Johannes Pruchnow, ehemaliger Chef von Versatel und Telefónica Deutschland, wird Vorstandsbeauftragter der Deutschen Telekom für Breitbandkooperation in Deutschland. Die Telekom wolle im Hinblick auf den schnellen und flächendeckenden Glasfaser-Breitbandausbau “die Zusammenarbeit mit den Wettbewerbern deutlich intensivieren”, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Bonn mit.

Signal an den Wettbewerb

Die Telekom spielt schon länger mit der Idee, beim Netzausbau auch auf Infrastruktur von Wettbewerbern zurückzugreifen. Eine parallele Infrastruktur zu bauen sei nicht sinnvoll, hatte Deutschlandchef Niek Jan van Damme im Mai 2015 erklärt. Die Telekom weist in diesem Zusammenhang gerne auf ihre Kooperation mit Netcologne in Köln hin, auch in Bergisch Gladbach haben sich beide Unternehmen beim Ausbau abgestimmt. Dagegen stehen die Vorwürfe von Wettbewerbern, dass die Telekom gerne VDSL in Regionen ausbaut, die gerade von anderen Anbietern erschlossen werden.

Mit der Berufung Pruchnows als Vorstandsbeauftragter für Breitbandkooperation signalisieren die Bonner nun, dass sie es ernst meinen. “Der Ausbau der Breitbandnetze in Deutschland ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer Gesellschaft”, erklärte Vorstandschef Tim Höttges. “Hier wollen wir noch mehr Geschwindigkeit und Flächendeckung erreichen. Das Ziel lautet, gemeinsam den Menschen und Unternehmen in Deutschland leistungsfähigere Anschlüsse als bisher zur Verfügung stellen.”

Ein Netz für alle?

Auch von der Gegenseite kam zuletzt ein deutliches Signal für eine bessere Zusammenarbeit aller Netzbetreiber. Telefónica Deutschland hat eine gemeinsame Netzgesellschaft vorgeschlagen, in der alle Netzbetreiber ihre Infrastruktur einbringen können. Die soll dann allen Marktteilnehmern zu transparenten und fairen Bedingungen Zugang zum gemeinsamen Netz gewähren. Bisher ist der Vorstoß in der Branche auf eher verhaltenes Echo gestoßen. Sollte sich die Telekom für die Idee erwärmen können, ist mit Pruchnow schon mal der Ansprechpartner klar.

“Wir setzen bewusst auf jemanden ohne Telekom-Vergangenheit, der dennoch unsere Branche und ihre zum Teil schwierigen Rahmenbedingungen sehr gut kennt”, sagte Höttges zu der Personalie. Pruchnow kommt ursprünglich von der Unternehmensberatung McKinsey. Von 2007 bis 2009 war er CEO von Telefónica Deutschland, später leitete er die Geschäftskundensparte von O2. Im Januar 2016 gab er die Geschäftsführung des Netzbetreibers 1&1 Versatel nach vier Jahren ab. Pruchnow war bis vor kurzem auch noch Vizepräsident des Bundesverbands Breitbandkommunikation (Breko), in dem die Wettbewerber der Telekom organisiert sind. (vbr)

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