/ Software-Entwicklung / GDC: Beeindruckender Spiele-Sound mit Wwise 2017.1 und Nuendo 8

GDC: Beeindruckender Spiele-Sound mit Wwise 2017.1 und Nuendo 8

Gerfried Steube on March 5, 2017 - 6:15 am in Software-Entwicklung

Audiokinetic hat für seine Audio-Software eine neue UI-Fernsteuerung sowie spektakulären 3D-Reverb mit Richtungsinformationen angekündigt. Steinberg lässt Nuendo 8 direkt mit Wwise zusammenarbeiten.

Audiokinetic und Steinberg haben ihre kommenden Versionen der Audioplattformen Wwise und Nuendo auf der Game Developers Conference in San Francisco demonstriert. Sie erleichtern die Musik- und Audio-Produktion beträchtlich und halten klangliche Verbesserungen speziell für 3D-Audio bereit. Geräuschkulissen künftiger Spiele klingen damit wesentlich realistischer. Wwise 2017.1 und Nuendo 8 sollen jeweils im Juni auf den Markt kommen.

Wwise 2017.1 gibt sämtliche Steuerparameter zur Einbindung in andere Bedienoberflächen, Controller oder Game-Engines per WAMP und HTTP Post frei. So lassen sich alle Funktionen bequem aus Unity oder Unreal steuern und automatisieren. Die Bedienung kann auch über Web-Interfaces, OSC-Touch oder MIDI-Controller erfolgen. Das soll die Arbeit von Audio-Ingenieuren merklich vereinfachen und beschleunigen.

Wwise 2017.1 bringt passende Einbindungen für Unreal Engine und Unity mit, sodass sich alle Parameter direkt aus den Engines heruas bedienen lassen.
Wwise 2017.1 bringt passende Einbindungen für Unreal Engine und Unity mit, sodass sich alle Parameter direkt aus den Engines heruas bedienen lassen. Vergrößern
Bild: heise

Darüber hinaus hat Audiokinetic die Reverb-Engine aufgebohrt. Sie berücksichtigt nun die Position des Hörers und die der Geräuschquelle im Raum. Der Hall klingt unterschiedlich, je nachdem, wie nah sich Quelle oder Hörer an schallreflektierenden Elementen wie Wänden befinden. Zudem können Wände unterschiedliche Reflektionseigenschaften aufweisen, sodass sich in einem Raum verkachelte und per Vorhang abgedeckte Wände unterscheiden lassen. Bisherige Reverbs haben solche Richtungsinformationen nicht berücksichtigt und der Hall klang auf allen Positionen gleich.

Über einen neuen 3D-Audio-Bus lassen sich Sound-Quellen aus benachbarten Räumen sammeln, mit dem dortigen Hall mischen und über eine Türöffnung in den Raum des Zuhörers mit dortigen Hall-Parametern überlagern. Kommende Spiele, die die Wwise-Plattform nutzen, werden dadurch wesentlich realistischere Sound-Umgebungen mit einer deutlich verbesserten Raum-Ortung erzeugen können, die vor allem in VR für einen Realitätsschub sorgt. Nicht zuletzt soll Wwise 2017.1 auch Ambisonix-Aufnahmen im AmbiX-Format verarbeiten können.

Nuendo 8 mit Wwise-Anbindung

Steinberg hat im kommenden Nuendo 8 viele Verbesserungen aus Cubase 9 übernommen, etwa den Sample-Player und die aufgeräumtere Bedienoberfläche. Neu ist der direkte Export in Wwise. Dazu zieht man die Audio-Objekte, Samples und MIDI-Dateien einfach in ein Export-Fenster, von wo aus sie über das Netzwerk an Wwise übertragen und automatisch mit der richtigen Position in der Timeline eingebunden werden. Das funktioniert auch, wenn Wwise und Nuendo auf verschiedenen Rechnern laufen, egal ob unter Windows oder macOS.

Mit Nuendos neuem Randomizer kann man auf Knopfdruck verschiedene glaubwürdige Abwandlungen eines Samples erstellen.
Mit Nuendos neuem Randomizer kann man auf Knopfdruck verschiedene glaubwürdige Abwandlungen eines Samples erstellen. Vergrößern
Bild: heise

Darüber hinaus nimmt Nuendo 8 Produzenten lästige Fleißaufgaben ab. So lassen sich Aufnahmen von Synchronsprechern in unterschiedlichen Sprachen per Batch-Job automatisch austauschen, umbenennen und exportieren. Damit Samples nicht immer gleich klingen, erzeugt ein Randomizer automatisch Variationen des Pitch, Tempos, der Transientenstärke oder des Frequenzsspektrums. Die Algorithmen erzeugten bei einer kurzen Demo sowohl bei Sprachsamples als auch bei Schlaggeräuschen von Schwertern überzeugende Abwandlungen, die der Lebendigkeit einer Geräuschkulisse in Spielen sehr zugute kommt.

Nuendo 8 erzeugt von Haus verschiedene Surround-Formate, darunter Dolby Atmos mit einem 9.1-Sound-Bed und bis zu 118 weiteren Audio-Objekten. Deren Position lässt sich mit dem neuen VST Multipanner einfach im Raum zuweisen. Jedoch benötigt man weiterhin einen Hardware-Encoder von Dolby, um den Atmos-Stream zu rendern. Steinberg arbeite mit Dolby eng zusammen, sodass künftig auch ein reiner Software-Encoder denkbar ist. Die Integration von Ambisonics ist erst für spätere Versionen vorgesehen. (hag)

Read more on: Source

Comments are disabled