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Ericsson, Netgear, Qualcomm und Telstra starten Gigabit-LTE

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Heinrich Voigts on February 1, 2017 - 5:00 pm in Internet

Das Netz und das erste Teilnehmergerät sind rund zehn Mal so schnell wie die erste LTE-Generation. Telstra startet den Ausbau in fünf Großstädten Australiens.

Zur Computer Electronics Show in Las Vegas war es noch eine exotisch erscheinende Ankündigung, jetzt geht die Technik in Australien an den Start: Vor rund 50 aus aller Welt geladenen Journalisten, mehreren Kamera-Teams und Fotografen demonstrierten Ericsson, Telstra, Qualcomm und Netgear erstmals Gigabit-Geschwindigkeiten mit LTE-Technik. Ericsson lieferte die Netzwerktechnik für Telstra zu, Netgear steuerte seinen neuen, Nighthawk M1 genannten Router auf Qualcomm-Basis bei (Snapdragon X16).

Apps verzugsfrei aus der Cloud

Im Prinzip profitieren alle Anwendungen und auch alle Nutzer von der neuen LTE-Entwicklungsstufe – alle Übertragungen werden mit dem beschleunigten Downlink schneller fertig, sodass eine Basisstation eher bereit ist, die nächsten Teilnehmer zu versorgen; auch solche, die noch kein Gigabit-LTE-Gerät nutzen. Im Telstra Experience Center in Sydney demonstrierten die Partner am 31. Januar 2017 Virtual Reality mit 4K-Auflösung, beschleunigte Cloud-Anwendungen zum Beispiel für die Synchronisation von Bildsammlungen und schnelle Übertragungen von großen Dateien wie Videos. “Mit Gigabit-LTE kann die Anwendung in der Cloud bleiben, sie fühlt sich aber so flink an, als würde sie lokal auf dem Smartphone laufen”, meint Chana Senevirante, Telstra Director of Wireless Network Engineering. LTE sei nun mit der neuen Entwicklungsstufe spürbar schneller als der in den meisten Smartphones eingesetzte Flash-Speicher.

Podiumsdiskussion: Qualcomms Peter Carson (links) erläutert zusammen mit Chana Senevirante die Einsatzgebiete der Gigabit-LTE-Technik.
Podiumsdiskussion: Qualcomms Peter Carson (links) erläutert zusammen mit Chana Senevirante die Einsatzgebiete der Gigabit-LTE-Technik. Vergrößern
Bild: Dusan Zivadinovic
Schnelle Cloud-Synchronisation

Mit VR-Technik und 360-Grad-Live-Bildern könnten Zuschauer direkte Einblicke aus dem Formel-I-Rennwagen oder aus dem Jockey-Sattel erhalten. An Sydneys Stränden seien aber auch Drohnen mit LTE-Funk in Betrieb, die Live-Bilder von der See liefern –, um nahende Haie frühzeitig zu erkennen.

Telstra verfolgt mit dem neuen Aufrüstungsschritt dieselbe Strategie wie viele andere Mobilfunknetzbetreiber: Frequenzspektrum ist teuer und das Unternehmen will es möglichst optimal nutzen. Das, so Senevirante, klappt am besten mit vielen zufriedenen Teilnehmern und um die zu bekommen, “investieren wir stets frühzeitig in aktuelle Technik”. Telstra hat in den vergangenen Jahren jeweils als weltweit erster Netzbetreiber Ausbaustufen für 300, 450 und 600 MBit/s im kommerziellen Netz eingeführt. Doch obwohl Spitzendatenraten publikumswirksame Meilensteine sind, geht es Betreibern mehr um höhere Durchschnittsleistungen der Netze – weil sie allen Nutzern zu Gute kommen.

Dusan Zivadinovic
Pfeffer unterm Dach: Ericssons Basisstation liefert in der Telstra-Demo Gigabit-LTE-Daten über vier Antennen an Endgeräte – das sind die vier unscheinbaren weißen Schüsseln an den Ecken des schwarzen Holzrahmens. Vergrößern
Bild: Dusan Zivadinovic
Konvetionelle Basisstationen

Im Experience Center setzte Telstra für die Demonstration Makro-Zellen ein. Die Ausbaustufe entspricht den von Qualcomm anlässlich der CES publizierten Angaben zu Gigabit-LTE und dem X16-Modem: In Downlink-Richtung sendet das Netz gemäß LTE-Kategorie 16, in Uplink-Richtung arbeitet es gemäß Kategorie 13. Das Qualcomm-Modem bündelt bis zu vier je 20 MHz breite Träger (Carrier Aggregation, CA) und setzt QAM-256 sowie 4×4 MIMO auf bis zu zwei Trägern ein; insgesamt empfängt das Modem bis zu 10 MIMO-Streams gleichzeitig, pro Stream rund 100 MBit/s, wenn die Funkqualität für QAM-256 ausreicht.

In Messungen mit der Test-Seite Speedtest.net erreichte das System leicht 800 bis 900 MBit/s, in Einzelfällen auch 930 MBit/s. Dabei war der Netgear-Router per USB3 an einem MacBook Pro 15″ angekoppelt. Der Abstand zwischen den Antennen und dem Router betrug drei bis fünf Meter. Laut Senevirante sind die Funkbedingungen häufig auch über deutlich größere Distanzen ausreichend, damit die Basisstation auf die Modulationsstufe QAM-256 hochschalten kann und nicht nur bei Zimmerentfernung. Details nannte Senevirante nicht.

Qualcomms Snapdragon X16 setzt nicht nur in Empfangs-, sondern auch in Senderichtung eine Bestmarke: Es liefert bis zu 150 MBit/s auf dem Uplink. Bisher sind in allen kommerziell betriebenen LTE-Netzen 50 MBit/s üblich. Für den Uplink bündelt es zwei 20 MHz breite Träger und sendet Daten mittels 64-QAM.

WLAN, Gigabit-Ethernet und USB3

Aktuell sind bereits einige Hotspots in Sydney, Melbourne und Brisbane mit Gigabit-LTE ausgestattet. Als nächstes kommen im Laufe des Jahres Adelaide und Perth hinzu. Telstra will den Netgear-Router Nighthawk M1 ab dem 14. Februar in den Handel bringen. Das per Smartphone-App konfigurierbare und akkubetriebene Gerät (5,04 Ah Kapazität für bis zu 24 Stunden Laufzeit) bringt neben WLAN in 802.11ac-Ausführung auch GBit-Ethernet- und USB3-Schnittstellen mit. Die vier LTE-Antennen sind jeweils an den Ecken des quadratischen Routers untergebracht. Weitere Endgeräte mit Gigabit-LTE erwarten Fachleute ab Mitte des Jahres. Mehrere Netzbetreiber planen, mit Gigabit-LTE noch in diesem Jahr nachzuziehen, darunter laut einem Qualcomm-Sprecher auch die Deutsche Telekom.

Hinweis: Qualcomm hat für die Berichterstattung die Reisekosten für den Flug des Autors nach Sydney übernommen. (dz)

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