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Continuous Architecture: Was können wir von Google, Amazon und Netflix lernen?

Gerfried Steube on February 26, 2017 - 11:53 am in Software-Entwicklung

Ständiges Lernen ist gerade in der IT-Branche wichtig. Ständig gibt es neue Technologien. Was sollen wir also lernen und anders machen? Sind Technologien wirklich entscheidend?

Die Arbeit in der IT-Branche ist auch deswegen interessant, weil es ständig etwas zu lernen gibt. Wir lernen viel von den großen der Branche – beispielsweise bei der Cloud von Amazon oder beei Microservices von Netflix. Aber setzten wir wirklich das Wichtigste um?

  • Durch die Cloud können Amazons Teams Skalierbarkeit viel einfacher umsetzen und aus einem umfangreichen Technologie-Schatz auswählen. Das war schon Thema eines anderen Blog-Beitrags. So können kleine Teams überhaupt produktiv Software entwickeln. Wie die Teams ihre Ziele erreichen, bleibt weitgehend ihnen überlassen. Sie können eine der Datenbanken aus der Cloud nutzen. Dann müssen sie sich um Backup oder Disaster Recovery nicht kümmern. Oder sie installieren eine eigene Datenbank. Das kann zu technischen Vorteilen führen – dann müssen die Teams aber auch den Betrieb übernehmen. Wofür sie sich entscheiden, ist ihnen überlassen.
  • Ebenso ermöglichen Microservices den Teams eine weitgehend unabhängige Entwicklung und eigene Technologie-Entscheidungen, weil jeder Microservice andere nutzen kann. Außerdem ist das Deployment unabhängig, sodass sich neue Features unabhängig von anderen Teams in Produktion bringen lassen. So können die Teams vieles selbst entscheiden und umsetzten.

Die Amazon-Cloud und Microservices sind also technische Maßnahmen, um Selbstorganisation zu ermöglichen.

Technologie ermöglicht Organisationsänderungen

Viele Unternehmen nutzen Cloud und Microservices – aber nur als Technologie. So bringen die Ansätze nicht den vollen Nutzen. Schlimmer: Es werden die Auswirkungen moderner Organisation kopiert, die Organisation selbst wird aber nicht modernisiert. Das reduziert den Nutzen und wird die Adaption weiterer Technologien verkomplizieren.

Das Wissen darüber, wie erfolgreiche moderne Organisationen funktionieren, ist gut beschrieben. Eric Schmidt war lange CEO von Google und hat in seinem Buch “How Google Works” die wesentlichen Eckpunkte dargestellt. Es beschreibt Strategie, Kultur, aber auch den Einstellungsprozess. Ein wesentlicher Punkt: Manager ermöglichen und fördern Selbstorganisation.

Manchmal heißt es, dass diese Ansätze auf andere Unternehmen nicht passen, weil Google, Amazon oder Netflix ja Start-ups sind. Tatsächlich sind diese Unternehmen gemessen am Umsatz, an der Mitarbeiterzahl, am Gewinn und auch an ihrem Alter keine Start-ups mehr. Google beziehungsweise Alphabet ist nach Börsenkapitalisierung das zweitgrößte Unternehmen der Welt.

Außerdem konkurrieren diese Unternehmen mittlerweile mit klassischen Unternehmen. Im Bereich autonom fahrender Autos steht die klassische Autoindustrie beispielsweise mit Google im Wettbewerb. Also sollten auch wir Techniker mehr Wert auf den kulturellen Wandel legen – viel mehr als auf neue Technologien.

tl;dr

Nicht die neusten Technologien, sondern eine andere Organisation ist Kern erfolgreicher Unternehmen und von Microservices, Cloud usw. Die Organisation sollte kopiert werden – nicht nur die Technologien.

PS: Danke an den innoQ-Kollegen Michael Vitz für die Diskussion über eine frühe Version des Blog-Beitrags.

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