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Analyse: Stoppt Trump das Wachstum beim Cloud Computing?

Gerfried Steube on December 5, 2016 - 4:09 pm in Software-Entwicklung

Eigentlich könnte bei Amazon Web Services angesichts der auf der re:Invent präsentierten Zahlen und Angebote alles rosig sein. Eigentlich, denn die politischen Risiken in den USA durch Trump und seine Helfer könnten die Cloud-Entwicklung stark ausbremsen.

Amazons AWS-Veranstaltung in Las Vegas letztes Woche hat in diesem Jahr die Reihe der IT-Großereignisse abgeschlossen. Mit 32.000 Teilnehmern gab es einen neuen Teilnehmerrekord. Auch ansonsten weisen die AWS-Zahlen steil nach oben. So berichtete man von einem Umsatzplus von 55 Prozent und einem angepeilten Jahresumsatz von 13 Milliarden Dollar. “Ob Start-up oder globaler Großkonzern – alle Unternehmen streben in die Cloud. Unsere Wachstumsmöglichkeiten sind praktisch unbegrenzt”, sagte AWS-Chef Andy Jassy voller Selbstvertrauen in seiner Eröffnungsrede.

Er sieht dieses rasante Wachstum aber nur als Anfang einer immensen IT-Revolution. “Cloud Computing ist ein Billiarden-Markt, der bislang nur angekratzt ist. Es ist durchaus möglich, dass wir hier einen Umsatz von 50 oder gar 100 Milliarden Dollar erreichen können”, schwärmte er bereits über die weiteren Aussichten seines Unternehmens. Auch die Analysten von Gartner sind voll des Lobes und platzieren AWS ganz oben rechts in ihrem magischen Quadraten – noch weit vor Microsoft und Google.

Hintertüren und Datenzäune

Ein Milliarden-Markt, in dem man die Marktführung erreicht hat, sollte eigentlich ein gutes Ruhekissen sein. Doch weder Amazon noch die anderen großen Cloud-Provider haben Grund zum Ausruhen. Zwar verdunkelt sich der Cloud-Himmel nicht durch neue Technologien oder Geschäftsmodelle, doch neue aufziehende politische Risiken in den USA könnten die Cloud-Entwicklung stark ausbremsen. Der neu gewählte Präsident Trump und einige seiner designierten Kabinettsmitglieder haben bereits drakonische Regulierungsmaßnahmen für die IT-Industrie angekündigt.

Da ist zunächst das Kapitel Verschlüsselung. Trump hatte schon vor seiner Kandidatur lautstark gegen Apple gewettert, weil das Unternehmen nicht bereit war, die Keys für die Entschlüsselung eines Handys herauszurücken, das in der Schießerei von San Bernadino eine Rolle gespielt hatte. Jetzt fordert Trump, dass alle amerikanischen IT-Unternehmen verpflichtet werden sollen, eine Backdoor fürs FBI einzurichten. Auch das Urteil über die Herausgabe von Daten, die von US-Firmen außerhalb der USA gespeichert sind, soll als Basis für ein neues Gesetz dienen, das solche Herausgabe ausdrücklich erlaubt.

Die dritte Restriktion ist eine Art virtueller Datenzaun rund um die USA. So diskutiert man darüber, dass der grenzüberschreitende Datenaustausch genauso behandelt werden soll wie der Warenverkehr. Dann könnte man die Daten nämlich auch besteuern und würde damit indirekt auch das Outsourcing von Produktion und Service-Leistungen unattraktiver machen. Letztlich könnte auch die Verlagerung von Server- und Storage-Fertigungen aus Asien in die USA die Hardware empfindlich verteuern, was sich direkt auf die Cloud-Preise auswirken würde.

Trump contra globale Digitalisierung

Noch ist Trump nicht im Amt, und die US-IT-Industrie ist eine relativ mächtige Branche. Insofern bleibt abzuwarten, was davon letztlich in konkrete Gesetze und Regulierungen umgewandelt wird. Doch schon geringfügige Änderungen – beispielsweise an der Verschlüsselung oder an der Herausgabepflicht – könnten das gerade Vertrauen der CIOs in die Cloud-Sicherheit empfindlich stören. Und darunter würde dann nicht nur Amazon leiden, sondern die gesamte globale Digitalisierung.

Siehe dazu auf heise Developer:

  • AWS re:Invent: Amazon präsentiert neue Dienste und Funktionen für Entwickler
  • AWS re:Invent: Amazon lockt mit etlichen neuen Cloud-Angeboten
  • AWS re:Invent: Amazon Web Services mit schnellerer Hardware, mehr Middleware und neuen Admin-Tools

(ane)

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